Kastenstandverbot

 

Am 17.5.2011 fand im Festsaal der Veterinärmedizinischen Universität Wien eine Fachtagung und Podiumsdiskussion zum Kastenstandverbot statt.

Die Mehrzahl der Teilnehmer waren österreichische Schweinebauern, da die Veranstaltung von der Landwirtschaftskammer organisiert worden ist. Dementsprechend einseitig waren die Vorträge und es wurden zahlreiche Argumente gegen die Abschaffung der Kastenstände vorgebracht, wie zum Beispiel ein Ferkelverlust durch Erdrücken durch die Muttersau. In erster Linie ging es natürlich ums Geld, da die Abschaffung der Kastenstände auch Umbauten erforderlich machen.  

Kastenstände sind körpergroße sargähnliche Einzelkäfige für Zuchtsauen, dabei wird fast jede Bewegung unmöglich gemacht. Unter diesen erbärmlichen Zuständen werden derzeit viele Zuchtschweine ihr ganzes Leben gehalten.

Diese Haltungsweise widerspricht allerdings dem Tierschutzgesetz.

§ 5. (1) Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.
(2) Gegen Abs. 1 verstößt insbesondere, wer 10. ein Tier [...] einer Bewegungseinschränkung aussetzt und ihm dadurch Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwere Angst zufügt;

Die landwirtschaftlichen Teilnehmer berichteten von Studien, wonach Muttersauen auch unter diesen Bedingungen keine höhere Herzfrequenz und auch sonst keine Anzeichen einer Stresssituation zeigen würden.

Das Tier muss über einen Platz verfügen, der seinen physiologischen und ethologischen Bedürfnissen angemessen ist.

Wenn man sieht, wie Schweine in der Gruppenhaltung gesellig und übermütig sind, kann man sich vorstellen, dass es unter der Haltung im Kastenstand sehr wohl leidet.

Ein Vortragender verstieg sich in einer völlig abstrusen Argumentation mit der Behauptung: ,....die Ferkel müssen vor der Muttersau geschützt werden, da es ethisch und seitens des Tierschutzes nicht vertretbar ist, dass diese Tiere durch Erdrücken durch die Muttersau zu Tode kommen.“

In Wahrheit aber bedeutet jedes tote Ferkel einen Verlust für den Schweinezüchter. Für die Verwendung von Kastenständen kann aber weder die ethische Gesinnung noch der Tierschutz

als Begründung  genannt werden.

 

Man darf aber nicht den Schweinezüchtern vorwiegend die Schuld geben. Bauern, die artgerechte Schweinezucht betreiben, klagen, dass teures Schweinfleisch nicht in dem Umfang verkauft werden kann, um davon leben zu können.

Wenn der Konsument bedenkenlos billiges Fleisch kauft, das meistens aus dem Ausland kommt, dann zwingt er die österreichischen Bauern billiges Fleisch auf Kosten der artgerechten Tierhaltung zu produzieren. Nicht jeder Bauer kann auf Grund der wirtschaftlichen Situation seinen Beruf wechseln oder auf ein anderes Produkt umsteigen.

 

Der Konsument sollte mit Verstand und nicht nach dem Motto „Geiz ist geil“ einkaufen, dann gäbe es weniger Elend in den Schweineställen. Wenn sogar Möbelhäuser mit billigen Menüs Kunden in ihre Restaurants locken, dann muss dieser wissen, dass Fleisch von gequälten und nicht artgerecht  gehaltenen Tieren angeboten wird.

 

Fleisch aus artgerechter Haltung ist für jeden erschwinglich, wenn es nur einmal in der  Woche auf den Tisch kommt. Aus medizinischer Sicht und im Interesse der Gesundheit wäre dies auch für die Konsumenten von Vorteil und für die Schweine müsste das kurze Leben nicht eine einzige Qual sein. 

10 Minuten Genuss am Teller – für die Tiere ein Leben mit Qualen – wer gibt uns das Recht dazu?

 

Diese Probleme würden sich bei einem Umstieg auf vegetarische oder vegane Ernährung von selbst lösen.

 

Für ein kleines Stück Fleisch nehmen wir den Tieren die Seele, sowie Sonnenlicht und Lebenszeit, wozu sie doch entstanden und von Natur aus da sind.

Plutarch (45-125)

griechischer Philosoph und Schriftsteller

 

 

 

 



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