Die Jagd

"Die Jagd
ist eines der sichersten Mittel, das Gefühl
der Menschen für ihre Mitgeschöpfe abzutöten."

François Voltaire, frz. Schriftsteller und Philosoph (1694 – 1778)

Die Jagd wird oft kritisch gesehen, denn für viele Tierfreunde ist sie ethisch fragwürdig und nach Ansicht von vielen Forschern und Wildbiologen auch ökologisch kontraproduktiv. Tierbestände regeln sich selbst.

Jäger teilen ja Tiere in „Schädlinge“ und „Nützlinge“ ein – welcher Tierschützer macht das schon? Welcher Tierschützer geht schon mit dem Gewehr in die Natur um auf Tiere zu schießen um das Gleichgewicht in der Natur zu erhalten?

Was bedeutet eigentlich Jagd in Österreich und in anderen Ländern: Hungernde Tiere im strengen Winter mit Futter anlocken, nur um sie leichter schießen zu können (Passjagd)? Scharf gemachte Hunde in Höhlen hetzen, um Füchse und Dachse zu eliminieren (Baujagd)? Tiere mit Fallen zu fangen, in denen sie dann tagelang leiden (Fallenjagd)? Arten zu jagen, deren Bestand gefährdet oder sogar auf der roten Liste sind (z.B. Feldhasen)? Jagd auf fischfressende Vögel um den Ertrag der Fischer zu sichern? Umweltvergiftung durch Bleischrot?

Das sind wenige Beispiele, weshalb es seltsam anmutet, wenn sich Jäger auch als Naturschützer darstellen oder sich etwa gar als Tierschützer bezeichnen. Jäger zu sein ist in der heutigen Zeit oft ein gesellschaftliches Statussymbol, dabei wird das Tier zur Sache degradiert.

Jagd hat aber auch mit Grausamkeit und vorsätzlicher Tötung zu tun. Dabei reagiert sich der Handelnde an friedlichen Tieren ab. Wahre Tierschützer brauchen kein Gewehr um zu hegen und zu pflegen, sie sind keine Gewalttäter und töten keine Tiere.

Die heutige Jagd schafft generell auch ein genetisches Ungleichgewicht in der Tierwelt, weil die größten und stärksten Tiere ihr Genpotential wegen der Trophäenjagd nicht weitergeben können. Die Jagd hat jedoch selbst die größte Mitschuld an Schäden im Kulturland verursacht: Ob es nun um starke Beunruhigung geht, die zu erhöhtem Nährstoffbedarf der Tiere führt, oder das Abschießen von ranghohen Tieren. Auch der damit verbundene Wechsel der Leittiere führt zum Stress der Population.

Moderner Erkenntnisstand in Ökologie und Wildbiologie zeigt auch auf, dass sich die Bestandsdichte von Wildtieren aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität, Klima sowie sozialen und physiologischen Faktoren ohne menschliches Zutun regelt.

Der Jagddruck, sowie andere Faktoren, hingegen erhöht die Reproduktionsrate der betroffenen Tierpopulation, was man sehr gut bei den Wildschweinen, Tauben, sowie bei anderen Spezies (Arterhaltung, Überlebensinstinkt, Geburtenausgleich) beobachten kann. Die Natur ist weise und wenn sich eine Tierart in Gefahr der Ausrottung befindet, steigt die Geburtenrate. Diesbezügliche Studien gibt es in Frankreich und Deutschland.



Es wäre daher dringend notwendig, das feudale Jagdgesetz, das die Rechte der Jagdpächter über die Rechte der Grundeigentümer stellt, zu reformieren und die Zuständigkeit des Bundestierschutzgesetzes auf die Jagd auszudehnen. Derzeit gibt es neun Landesjagdgesetze in Österreich. Zusätzlich sollte ein Verbot des Abschusses von Hunden und Katzen eingeführt werden. Katzen als Bedrohung für den Wildbestand hinzustellen ist lächerlich. Besitzer von wildernden Hunden können durch Mahnungen, Anzeigen und in letzter Konsequenz durch Geldstrafen zu einem tiergerechten Umgang in Wald und Flur „erzogen“ werden.

Wir erinnern uns ja alle noch an den Abschuss eines Rettungshundes durch einen Jäger.

Eine Reduzierung bzw. Erschwerung und einheitliche Regelung der Hobbyjagd würde auch viel Tierleid ersparen. Die Jagd sollte vorwiegend von verantwortungsvollen Berufsjägern ausgeübt werden, deren Motivation nicht die bloße Lust am Töten ist.

Die Verwendung von Bleischrot sollte unter Beachtung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über toxikologischen Auswirkungen auf Wildtiere, Boden und Gewässer eingeschränkt werden. In einigen EU Staaten besteht ein Verwendungsverbot für Bleischrot, deshalb braucht auch Österreich eine entsprechende gesetzliche Regelung.

Es sind auch stärkere Kontrollen zur Einhaltung der Jagdgesetze erforderlich.

Die Jagd hat einen hohen Stellenwert in der gehobenen Gesellschaft und wird als Kulturgut dargestellt. Unter Kultur versteht man „die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen… eines Volkes“ sowie „feine Lebensart, Erziehung und Bildung“. Ob das Töten von Wildtieren dazugehört?

Am 3. November, dem Hubertustag, werden auch die von den Kirchen gesegneten Hubertusjagden abgehalten. Anstatt den heiligen Hubertus zum Schutzpatron der Tiere zu machen, ernannte die Kirche ihn zum Patron der Jäger. Gemäß der überlieferten Legende wurde Hubertus um 655 als Sohn eines Edelmannes geboren und starb im Jahre 728. Anfangs führte er ein eitles, vergnügungssüchtiges Leben und war ein leidenschaftlicher Jäger. Als er eines Tages bei der Jagd einen Hirsch aufgespürt hatte und ihn verfolgte, um ihn zu töten, stellte sich dieser ihm plötzlich entgegen. Zwischen seinem Geweih erstrahlte ein Kreuz, und in der Gestalt des Hirsches sprach Christus zu ihm: „Hubertus, warum verfolgst du mich?” Hubertus stieg vom Pferd und kniete vor dem Hirsch nieder. Von diesem Moment an beendete er das Jagen und führte fortan ein einfaches Leben.

Alle Jäger sollten sich den heiligen Hubertus zum Vorbild nehmen!



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