Judentum

Nachdem wir in unserer letzten Ausgabe mit dem Christentum begonnen haben, wollen wir mit dem Judentum fortsetzen.

Schon im Judentum ist der Glaube an einen einzigen Gott eng mit ethischen Prinzipien verbunden, welche die Lebensführung bestimmen. Die Basis eines ethisch vorbildlichen Lebens bilden die Gebote (mitzwot), von den Rabbinern aus dem Pentateuch (auch als die fünf Bücher Moses bekannt) abgeleitet wurden.

Der gute Umgang mit Tieren ist auch bei den jüdischen Speisegesetzen zu erkennen, die ein Ausdruck der Heiligkeit des Lebens sind. Aus jüdischer Sicht stellt der Vegetarismus den Idealzustand dar (RELIGIONEN VERSTEHEN, Judentum, Carl S. Ehrlich, Fleurus Verlag GmbH).

Wie wir schon in unserem letzten Artikel berichtet haben, ist ja schon im Alten Testament in Genesis 1 zu lesen: „Seht, ich gebe euch alles Kraut, das Samen trägt auf der ganzen Erde und alle Bäume, an denen samenhältige Früchte sind, das soll eure Speise sein.”

Der Verzehr von Fleisch ist als Zugeständnis Gottes aus der Zeit nach der Sintflut an zu sehen.

Gläubigen Juden ist es nicht erlaubt alle Tiere zu essen. Die Tiere müssen so rasch wie möglich getötet werden. Eine Kreatur, die unnötig leidet, gilt als nicht koscher (einwandfrei). Grausamkeit gegen Tiere verletzt die Grundlage des jüdischen Glaubens und daher verbietet diese Religion die Jagd. Die Tiere müssen durch Schächten getötet werden. Obwohl eine Kreatur nicht unnötig leiden darf, wird die Schächtung noch immer ohne Betäubung der Tiere durchgeführt.

Auch in anderen Stellen der Bibel wird von Propheten Opferschlachten und Fleischessen verurteilt.

Beim Propheten Hosea (8,13) steht: „Schlachtopfer lieben sie und bringen sie dar, Opferfleisch lieben sie und essen es; doch der Herr hat keinen Gefallen an ihnen. Nun wird er ihrer Schuld gedenken und ihre Sünden strafen!”

Durch den Propheten Amos (5,21-23) sagt Gott unmissverständlich, was er vom äußerlichen Festkult hält: „Ich hasse, verschmähe eure Feste, eure Feste mag ich nicht riechen. Ja, wenn ihr Brandopfer darbringt, so gefallen mir eure Gaben nicht und eure Mastviehopfer will ich nicht sehen.”

Und bei dem großen Propheten Jesaja (66,3) heißt es: „Wer einen Ochsen schlachtet, ist eben wie einer, der einen Menschen erschlüge…”

Für die Diaspora gibt der Prophet Jeremias (29.4-7) folgenden Auftrag: „So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin, pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter….”

Unsere Erkenntnis: Es gibt also im Judentum, das die Grundlage der beiden anderen großen monotheistischen Konfessionen darstellt, viele Hinweise, wie der Mensch Tiere behandeln soll.
Interessant ist, dass ursprünglich der Konsum von Fleisch eindeutig nicht vorgesehen war.

„Wir sind alle Gottes Geschöpfe –
dass wir um Gnade und
Gerechtigkeit beten, während wir
weiterfahren, das Fleisch der Tiere
zu essen, die um unseretwillen
geschlachtet wurden, ist unvereinbar.”

Isaac Bashevis Singer
(1904-1991), jüdisch-amerikanischer
Schriftsteller
Nobelpreisträger 1978




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